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„Für mich ist die Porsche-Arena so etwas wie mein Wohnzimmer, eine einzige Wohlfühloase“

Porsche-Markenbotschafterin Julia Görges gewann 2011 den Porsche Tennis Grand Prix

Vor ihrem ersten Match beim diesjährigen Porsche Tennis Grand Prix spricht Porsche-Markenbotschafterin Julia Görges über ihren ersten Sieg in Stuttgart, die Besonderheiten des Turniers und die Macht des positiven Denkens.

Frau Görges, mit Ihrem Sieg beim Porsche Tennis Grand Prix 2011 haben Sie an das Tor zur Weltspitze geklopft. Sehen Sie dieses Turnier immer noch als Meilenstein in Ihrer Karriere?
Auf jeden Fall. Immer wenn ich nach Stuttgart zurückkehre, werden große Emotionen geweckt durch die vielen Bilder in meinem Kopf. Es war mein erster großer Titel auf der WTA Tour und bedeutete für mich den Durchbruch. Damit hatte ich damals überhaupt nicht gerechnet. Die Stimmung in der Porsche-Arena nach dem Finale gegen Caroline Wozniacki, die zu diesem Zeitpunkt die Nummer 1 war, werde ich nie vergessen. Der Porsche Tennis Grand Prix wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Auch Spielerinnen, die den Porsche Tennis Grand Prix noch nicht gewonnen haben, kommen Jahr für Jahr gerne nach Stuttgart. Warum eigentlich?
Das Turnier ist super organisiert. Was den Spielerinnen in Stuttgart geboten wird, ist einzigartig auf der Welt. Uns wird so gut wie jeder Wunsch erfüllt. Für mich ist die Porsche-Arena so etwas wie mein Wohnzimmer, eine einzige Wohlfühloase. Dazu kommen die Zuschauer, die uns fantastisch unterstützen.?

Mit gleich acht Spielerinnen aus den Top 10 der Welt und allen aktuellen Grand-Slam-Siegerinnen ist der Porsche Tennis Grand Prix wieder sehr stark besetzt. Wie weit müssen Sie kommen, um zufrieden zu sein?
Meine Zufriedenheit hat nicht so viel damit zu tun, wie weit ich komme. Was für mich in erster Linie zählt, ist in jedem Match gute Arbeit abzuliefern – ganz egal, was am Ende dabei herauskommt. Unabhängig davon versuche ich, jedem Sieg und jeder Niederlage etwas Positives abzugewinnen. Negative Gedanken bringen nichts, sie ziehen einen nur runter. Wer positiv denkt, kann seinen Weg besser gehen.

Letztlich geht es doch aber immer um Sieg oder Niederlage.
Nicht nur. Wichtig ist auch zu sehen, wo man sich gegenüber dem letzten Match verbessert hat. Was ist mir diesmal gelungen, was vorher nicht geklappt hat? Ich habe sehr positiv denkende Menschen um mich herum. Das hilft mir, selbst auch positiv zu bleiben, mich nicht allzu sehr unter Druck zu setzen und jedes einzelne Match zu genießen. Es ist noch keiner Spielerin gelungen, alle Matches in einem Jahr zu gewinnen.

Nachdem Sie 2017 die prestigeträchtige WTA Elite Trophy gewonnen haben, schafften Sie 2018 erstmals den Sprung in die Top 10 und standen im Halbfinale von Wimbledon. Wie sind Sie mit der Entwicklung der letzten Jahre zufrieden?
Nach meinem Sieg in Stuttgart gab es einige Jahre in meiner Karriere, in denen ich aus verschiedenen Gründen nicht mein bestes Tennis spielen konnte. Mit meinem  neuen Team konnte ich diese Zeit hinter mir lassen und mich in vielen Bereichen weiterentwickeln, nicht nur als Tennisspielerin. Das war ein weiter Weg. Wir haben sehr viel an meiner Fitness gearbeitet, und mit der Fitness kam auch die mentale Stärke. Im Wimbledon-Halbfinale gegen Serena Williams habe ich gespürt: Ich gehöre hier hin und das einzige, was mir zum Sieg noch fehlt, ist die Erfahrung. Solche Matches brauchst du, um den nächsten Schritt zu gehen. Ich bin natürlich sehr zufrieden mit dieser Entwicklung.“

Wie wichtig war der Sprung in die Top 10?
Damit habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt. Das war etwas ganz Besonderes für mich.

Damals wurden Sie auch Porsche-Markenbotschafterin. Was bedeutet das für Sie?
Seit meinem Sieg beim Porsche Tennis Grand Prix und durch die Auftritte mit dem Porsche Team Deutschland im Fed Cup habe ich eine ganz besondere Beziehung zu Porsche. Es ist eine große Ehre für mich, ein weltweit so angesehenes Unternehmen als Markenbotschafterin vertreten zu dürfen. Das macht mich stolz.

Das Damentennis erlebt spannende Zeiten. Junge Spielerinnen wie Naomi Osaka und Aryna Sabalenka drängen an die Spitze. Anzeichen für einen Generationswechsel?
Es ist ganz normal, dass junge Spielerinnen nachkommen, sonst würde der Sport ja aussterben. Ich finde jedoch, dass es nicht mehr so extrem ist wie früher, als es ganz normal war, dass man mit 17 oder 18 einen Grand Slam gewinnt und mit 20 die Nummer 1 der Welt ist.  Das ist heute nicht mehr so. Naomi Osaka ist sicherlich eine Ausnahme. Sie steht verdient an der Spitze, keine Frage. Doch die Kunst ist, sich über einen längeren Zeitraum dort zu halten. Ob ihr das gelingt, wird sich zeigen.

Beim „Porsche Race to Shenzhen“, der Qualifikationsrangliste für die WTA Finals, geht es um einen von acht Startplätzen für dieses Finalturnier der erfolgreichsten Spielerinnen der Saison. Wie sehen Sie Ihre Chancen?
Die WTA Finals sind natürlich immer ein Ziel. Das Qualifikationsrennen startet zum Glück jedes Jahr bei null, deshalb hat jede Spielerin die gleichen Voraussetzungen, dieses Ziel zu erreichen. Die Saison ist noch lang, es gibt noch viele große Events, bei denen Punkte verteilt werden. Dass in diesem Jahr nicht mehr in Singapur gespielt wird, sondern in Shenzhen, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass man bei diesem Saisonhöhepunkt dabei ist. Egal wo.

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