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„Das Damentennis ist so attraktiv wie schon seit vielen Jahren nicht mehr“

Porsche-Tennis-Grand-Prix-Turnierdirektor Markus Günthardt bei den WTA Finals in Shenzhen

Sein Terminkalender war gut gefüllt in den Tagen von Shenzhen. Für Markus Günthardt standen bei den WTA Finals viele Gespräche auf dem Programm – nicht nur mit Vertretern der WTA, sondern auch mit Spielerinnen, die er für den Porsche Tennis Grand Prix 2020 zu gewinnen versucht. Welche Besonderheiten der Turnierkalender im nächsten Jahr mit sich bringt, wie er die Entwicklung des Damentennis sieht und wer ihn beim Saisonfinale besonders beeindruckt hat, erzählt er in unserem Interview.

Herr Günthardt, als Turnierdirektor des Porsche Tennis Grand Prix waren Sie sicherlich nicht nur in Shenzhen, um spannende Matches zu erleben.
Nein, natürlich nicht. Bei den WTA Finals treffen sich die besten Spielerinnen der Welt, und die würde ich nächstes Jahr am liebsten alle auch in Stuttgart sehen. Bei Grand-Slam-Turnieren wie Wimbledon oder den US Open bekommt man diese Spielerinnen kaum noch zu Gesicht. Bei den WTA Finals dagegen läuft man ihnen im Hotel über den Weg und im Restaurant, auch beim täglichen Training kann man sie erleben. Dadurch ergibt sich viel eher die Möglichkeit, mit der einen oder anderen zu sprechen.

Wie erfolgreich war Ihre Mission?
Viele Spielerinnen haben mir gesagt, dass sie sehr gerne nach Stuttgart kommen würden. Das Problem ist, dass wir 2020 eine ganz neue Situation haben. Da gibt es direkt vor unserem Turnier die erstmals ausgetragene Fed-Cup-Finalwoche in Budapest, wo acht Nationalteams um den Sieg spielen.

Dann haben Sie die Topspielerinnen ja quasi schon vor der Haustür.
Für unser Turnier ist diese Fed-Cup-Woche in der Tat ein großer Vorteil. Jedoch nur, wenn die besten Spielerinnen auch tatsächlich in Budapest am Start sind. Das bereitet mir gerade noch etwas Kopfzerbrechen. Nehmen wir zum Beispiel Bianca Andreescu, die Gewinnerin der US Open und eine der Aufsteigerinnen des Jahres. Wenn sie Fed Cup spielt und sich Kanada für die Finalwoche in Budapest qualifiziert, dann ist sie schon mal in Europa und es steigt natürlich die Chance, dass sie bei uns aufschlägt. Schafft Kanada die Qualifikation aber nicht und Bianca spielt von mir aus in Japan gegen den Abstieg, dann wird sie nach dem letzten Match vermutlich nicht gleich ins nächste Flugzeug steigen und nach Stuttgart kommen.

Die Spitze im Damentennis scheint gut und breit aufgestellt. Woran liegt’s?
Mit Ashleigh Barty, Naomi Osaka, Bianca Andreescu und Belinda Bencic sind junge Spielerinnen an die Spitze gerückt, die das Damentennis in den nächsten Jahren beherrschen werden. Weil erfolgreiche Routiniers wie Elina Svitolina, Simona Halep, Petra Kvitova oder Karolina Pliskova natürlich nicht freiwillig Platz machen, ist die Konkurrenz unter den Topspielerinnen noch größer geworden. Mein Eindruck, den nicht nur die WTA Finals in Shenzhen bestätigt haben: Damentennis ist so attraktiv wie schon seit vielen Jahren nicht mehr, die Leistungsdichte an der Spitze ist enorm. Und das wird vermutlich noch lange so bleiben.

Welche Spielerin hat Sie bei den WTA Finals am meisten beeindruckt?
Ganz klar Ashleigh Barty – allerdings nicht erst in Shenzhen, sondern schon die ganze Saison. Die ist praktisch aus dem Nichts gekommen. Dass sie die French Open gewinnen und als Nummer 1 in die Winterpause gehen würde, hätte ich Anfang des Jahres nie für möglich gehalten. Wie sie als Gewinnerin des ‚Porsche Race to Shenzhen‘ bei den WTA Finals aufgetreten ist und im Finale die bis dahin ungeschlagene Elina Svitolina besiegt hat, zeigt ganz klar, dass diese Erfolge kein Zufall waren.

Angelique Kerber vom Porsche Team Deutschland hat es diesmal nicht zu den WTA Finals geschafft. Wird sie an die Weltspitze zurückkehren?
Bei Angelique ist das vor allem ein Kopf- und Fitnessthema. Sie hatte in diesem Jahr Mühe, sich zu motivieren, was ich persönlich gut nachvollziehen kann nach all ihren Erfolgen. Und sie plagten auch ein paar Verletzungsprobleme. Die Leistungsdichte im Damentennis ist gerade sehr groß. Wenn du dir da nur eine kleine Auszeit nimmst, geht das sofort auf die Leistung, und wenn du deshalb nicht mehr so gut spielst, kratzt das am Selbstvertrauen – und plötzlich stimmen die Resultate nicht mehr. Das ist eine Kettenreaktion. Doch wenn sie die Motivation wiederfindet, fit bleibt und an sich arbeitet, dann ist sie 2020 auch wieder in die Lage, sich zurück in die Top 10 zu spielen. Davon bin ich überzeugt.

Die einzige Deutsche, die sich über das „Porsche Race to Shenzhen“ für die WTA Finals qualifizieren konnte, war Anna-Lena Grönefeld. Was sagen Sie zu Ihrer Leistung mit Demi Schuurs im Doppel??
Dass Anna-Lena eine ausgezeichnete Doppelspielerin ist, wissen wir. Das hat sie mit dem Porsche Team Deutschland im Fed Cup oft genug bewiesen. Außerdem hat sie ja auch schon zweimal das Doppel beim Porsche Tennis Grand Prix gewonnen. Über ihren Einzug ins Halbfinale von Shenzhen habe ich mich sehr gefreut. Das ist eine tolle Leistung, schließlich ist auch das Niveau im Damendoppel in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

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